| Bereich | Typische Risiken |
|---|---|
| Wareneingang/Lagerung/Zubereitung | Leckagen, kontaminierte Außenflächen, Aerosole |
| Transport | Undichte Verbindungen, Tropfenbildung |
| Vorbereitung/Applikation | Restanhaftungen an Bestecken/Beuteln, unbeabsichtigte Freisetzung, Patientenausscheidungen |
| Entsorgung | Kontaminierte Abfälle/Materialien, Rückstände auf Flächen/Geräten |
57 Sicherer Umgang mit Zytostatika (inkl. Spill-Management)
Erstellt: 02.11.2025
Autoren: C. Moser | M. Freidl | T. Jäger
Konsentiert:
Letzte Änderung: 12.11.2025
Zuletzt bearbeitet von: T. Jäger
Version: 2.0.1
57.1 Zweck & Geltungsbereich
Dieses Kapitel beschreibt den sicheren Umgang mit Zytostatika/CMR-Arzneimitteln in stationären und ambulanten Settings sowie das standardisierte Vorgehen bei Verschüttungen (Spill-Management). Grundlage sind internationale Primärleitlinien/Standards (NIOSH, USP <800>, ISOPP/ESMO) [1–5].
57.2 Definition & Risiken (kurz)
Zytostatika hemmen Zellteilung/-wachstum und können bei Exposition lokale Toxizität (Reizung, Verätzung, Nekrosen) bis hin zu kanzerogener, mutagener, reproduktionstoxischer Wirkung verursachen. Kritische Expositionspfade: Dermal/Schleimhaut, Inhalation, Ingestion, Stich-/Schnittverletzungen, Verschleppung kontaminierter Oberflächen/Materialien [1, 2].
57.3 Schutzmaßnahmen (Grundpfeiler)
- Organisatorisch: Standardarbeitsanweisungen (SOP), Schulung/Kompetenznachweis, Expositionsminimierung, Arbeitsbereiche definieren, Abfallwege festlegen [3, 4].
- Technisch: Biologische Sicherheitswerkbänke (BSC Klasse II), geschlossene Übertragungssysteme (CSTD), geprüfte Kopplungssysteme [2, 3].
- Persönlich (PSA): Doppelhandschuhe (chemoresistent), langärmelige flüssigkeitsdichte Schutzkleidung, Überschuhe, Haube, FFP3/Atemschutz und Schutzbrille je nach Tätigkeit [3, 4].
| Tätigkeit | PSA |
|---|---|
| Transport/Anschluss | Einweghandschuhe (chemoresistent), Schutzkittel; je nach Risiko Schutzbrille |
| Rekonstitution (BSC) | Doppelhandschuhe, langärmeliger, flüssigkeitsdichter Kittel/Overall, Schutzbrille/Visier, ggf. Atemschutz |
| Spill-Management | FFP3, Schutzbrille/Visier, Overall mit Kapuze, Überschuhe, 3 Paar Handschuhe |
57.4 Spill-Management (Zytostatika-Verschüttung)
57.4.1 Indikation & Ziele
Einsatz bei jeder unbeabsichtigten Freisetzung (Flüssigkeit, Pulver, Glasbruch). Ziele: Sofortiger Personenschutz, Eindämmung der Kontamination, vollständige Dekontamination, sichere Entsorgung, Dokumentation [1, 4].
57.4.2 Material & Dekontaminationsbox („rote Box“)
- Spill-Kit (Dekontaminations-Set) mit PSA und Aufnahmematerialien
- Reinigungschemie: verdünnte NaOH, Isopropylalkohol (IPA); Ausnahme: Treosulfan – keine NaOH anwenden
- Dokumente/Formulare: Handlungsanweisung, Unfallmeldung [4].
| Komponente | Details |
|---|---|
| PSA | FFP3-Maske, Schutzbrille/Visier, Schutzhaube, Overall, Überschuhe, 3 Paar chemoresistente Handschuhe |
| Aufnahme/Markierung | Saugfähige Einmaltücher, Warnhinweise, Kreide/Absperrband |
| Werkzeuge/Entsorgung | Einweg-Schaufel/Schieber, Abfallbeutel/Behältnis, Kabelbinder |
| Reinigungschemie | verdünnte NaOH, Isopropylalkohol (IPA) 98% |
| Dokumentation | Anleitung, Formular Unfallbericht |
57.4.3 Vorgehen – Schrittfolge
- Ruhe bewahren, Hilfe rufen, Spill-Kit bereitstellen; Dekontamination immer zu zweit durch geschultes Personal.
- Personendekontamination vor Sachdekontamination:
- Haut: sofort mit kaltem Wasser gründlich spülen; bei Bedarf ärztliche Beurteilung.
- Augen: ≥ 10 min mit Wasser/NaCl spülen (geöffneter Lidspalt).
- Stich-/Schnittverletzung: unter fließendem Wasser bluten lassen; melden/ärztlich beurteilen.
- Staubexposition: ggf. Dusche/Haarwäsche; kontaminierte Kleidung ausziehen und je nach Ausmaß entsorgen.
- Haut: sofort mit kaltem Wasser gründlich spülen; bei Bedarf ärztliche Beurteilung.
- Bereich sichern: Absperren/kennzeichnen, Personenverkehr minimieren, Türen/Fenster schließen (Verschleppung verhindern).
- PSA vollständig anlegen (FFP3, Brille/Visier, Haube, Overall, Überschuhe, 3 Paar Handschuhe).
- Aufnahme von Kontamination:
- Flüssigkeiten: mit Saug-/Wischtüchern von außen nach innen aufnehmen.
- Glasbruch: ausschließlich mit Schaufel/Schieber beseitigen.
- Pulver: Tücher mit Wasser oder IPA anfeuchten und aufnehmen.
- Flüssigkeiten: mit Saug-/Wischtüchern von außen nach innen aufnehmen.
- Chemische Dekontamination (2-Stufen-Schema, mind. 3 Zyklen):
- verdünnte NaOH (Ausnahme: Treosulfan → ohne NaOH)
- Isopropylalkohol
- verdünnte NaOH (Ausnahme: Treosulfan → ohne NaOH)
- Abfallmanagement: sämtlichen Müll dicht verschließen und gemäß Gefahrstoffpfad entsorgen.
- PSA ablegen, Bereich freigeben.
- Dokumentation/Unfallbericht, Ersatz-Spill-Kit organisieren [1, 4].
| Schritt | Mittel |
|---|---|
| 1 | verdünnte Natronlauge (NaOH) |
| 2 | Isopropylalkohol (IPA) |
| Hinweis | Ausnahme: Treosulfan → **keine** NaOH verwenden |
57.4.4 Postexposition & Meldung
57.5 Reinigung & Flächenhygiene (Routine)
57.6 Entsorgung
57.7 Schulung & Qualität
- Initial- und jährliches Re-Training inkl. praktischer Spill-Übung, PSA-An-/Ablegen, Gerätekunde; Audit/Beobachtung in der Praxis [3, 4].
- Dokumentation: Schulungsnachweise, Reinigungs-/Wartungspläne, Vorfallberichte.
